Der Kriminalroman

 Der erste Kriminalroman stammte aus der Feder von Edgar Allan Poe (1809 - 1849) und entstand im Jahr 1841; trug den den Titel "Doppelmord in der Rue Morgue". Der narrative Ablauf  des Kriminalromans ist seitdem nahezu identisch geblieben. Es gibt ein Verbrechen, einen Mord, der Mord wird in einer Ermittlung aufgeklärt und der Mörder wird gefunden. Diese recht klare und einfache Struktur, die den Kriminalroman ausmacht, bietet die Möglichkeit sich auf  Charakterstudien und Gesellschaftspanorama der Protagonisten und der Handlung zu konzentrieren. Einige Experte zählen Dostojewskis (1821-1881) "Schuld und Sühne" zu den wichtigsten Werken des Genres. Arthur Conan Doyle (1859 - 1930) und Agatha Christie (1890-1976) gelten inzwischen als Klassiker des Genres. Doyles Detektiv Sherlock Holmes oder Christies Heldin Miss Marple sind Beispiele für traditionelle Ermittlercharaktere.

 

 

Der erste berühmte polnische Ermittler war BERNARDA ŻBIK, der im Kriminalroman "OPERA ŚMIERCI. WIELKA GRA BERNARDA ŻBIKA" (1934) von Adam Nasielski (1911 - 2009) erstmals aufgetreten ist. BERNARD ŻBIK ermittelte in Warschau der 1930er Jahre und war damit gleichzeitig ein Hauptstadtkrimi. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Stadtkrimis u.a. aus Lodz heraus. 

 

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erwachte auch das polnische Verlagswesen wieder. Das beliebte Genre des Kriminalromas fand seine neue Heimstätte vorerst bei der Zeitschrift "CO TYDZIEŃ POWIEŚĆ". Hier wurden Fortsetzungsromane präsentiert. Die Zeitschrift musste inmitten der stalinistischen Terrorherrschaft 1950 ihre Arbeit einstellen.  

 

Weitere Werke des Genres kamen von dem aktuell wiederentdeckten Witold Gombrowicz (1904-1969) in den 1950er und 1960er Jahren. Besonders interessant scheint hier das Buch "Zbrodnia z premedytacją" von Gombrowicz zu sein.  Der eigentlich klassische Krimimalroman wird mit  den für Gombrowicz so typischen humorvollen Anekdoten und Ausführungen  angereichert, sodass hier bereits der Ursprung des unterhaltsamen Kriminalromans zu erkennen ist, der später von Ryszard Cwirlej  als Milicjakrimi umgesetzt wurde.

 

Das berühmte Werk "Zły" (1955), von dem schillernden  Leopold Tyrmand (1920-1985), ist ebenfalls zu dem Genre des Kriminalromans zu zählen. Wobei hier mit der Einbindung der Warschauer Stadtkultur das Untergenre des Stadtkrimis erkennbar wird. So wundert es nicht, dass der Stadtkrimiautor Marcel Wozniak gleichsam der Verfasser einer der beliebtesten Tyrmandbiografien ist.

In den 1970ern und 1980er setzte beim polnischen Kriminalroman eine breite Popularisierung ein. Viele der Kriminalgeschichten von   Zygmunt Zeydler-Zborowski (1911-2000) wurden verfilmt und kamen als TVSerien in die polnischen Wohnzimmer. 

In den 1990ern war es still geworden um die polnischen Kriminalromane. Die Leser stützten sich bevorzugt auf amerikanische und skandinavische Krimis. Erst am Ende der Dekade revolutionierte Marek Krajewski mit seinem Breslauer Retrokrimi um Eberhard Mock die polnische Buchszene. Krajewskis Kriminalromane erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Nach Krajewski folgten Marcin Wronski, Piotr Bojarski usw. die das Genre des Kriminalromans fest im Untergenre Retrokrimi verankerten. Mitte der 2000er kamen mit Katarzyna Bonda und Zygmunt Miloszewski Autoren dazu, die sich wieder vom Retrokrimi distanzierten und ihr Augenmerk auf die Geschichtsaufarbeitung aus der heutigen Perspektive legten und damit nationale und internationale Erfolge feierten.

 

Aktuell wird der polnische Kriminalroman von starken crossmedialen, interpersonellen und  internationalen Einflüssen geprägt. Daraus entwickeln sich fantasievolle und kreative Untergenres, wie der Fantasy - Retrokrimi und der Antikeretrokrimi.